Personeneinträge (Breslau)

Arletius, Johann Caspar geboren am: 01-10-1707 in: Breslau gestorben am: 25-01-1784 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Der Name Arletius latinisiert aus Arlet oder Arlt. Philologe, Pädagoge, Gelehrter. Arletius wurde mit sieben Jahren in das Elisabet-Gymnasium aufgenommen, wo sein Vater unterrichtete. 1728 studierte er Theologie in Leipzig, ab 1729 in Jena, wo er sich auch neueren Sprachen zuwandte. 1732 zurück in Breslau, legte er dort 1733 das theologische Examen ab. Nur mäßig zur Theologie hingezogen, nahm Arlet 1734 eine Stelle als Hauslehrer beim Landesältesten Maximilian Ferdinand von Fürst und Kupferberg in Albrechtsdorf an; einer seiner Zöglinge war dessen gleichnamiger Sohn und spätere königliche Großkanzler Maximilian. Die wertvolle Albrechtsdorfer Bibliothek bot Arletius die Möglichkeit intensiver Studien, etwa des Hebräischen und Arabischen. 1743 wurde er Lehrer, 1755 Rektor am Breslauer Maria-Magdalenen-Gymnasium, 1761 als Rektor des Elisabet-Gymnasiums zugleich für die ruhmreiche Rehdigersche Büchersammlung verantwortlich, der späteren Breslauer Stadtbibliothek. Mit Friedrich II. führte Arlet 1778/79 Gespräche über Fragen der Pädagogik und der Reformen des Schulwesens, die partiell durch den neu verfassten »Unterrichtungs-Plan« des Schulministers Karl Abraham von Zedlitz umgesetzt wurden. Arletius blieb bis an sein Lebensende Rektor des Elisabet-Gymnasiums, starb unverheiratet am 25. Januar 1784 in Breslau und stiftete sein Vermögen den Lehrern bzw. deren Hinterbliebenen sowie bedürftigen Schülern seines Gymnasiums. Arletius verfasste zahlreiche wissenschaftliche Werke in Deutsch und Latein und gilt als einer der profundesten klassisch gelehrten spätbarocken Polyhistoren. Er war Kenner der Schlesischen Literaturgeschichte von Opitz bis Günter und besaß eine Sammlung der Werke Simon Dachs. In der Rehdigerschen Bibliothek arbeitet Lessing häufig, dort entstehen zahlreiche Notizen zu antiken Schriftstellern sowie etliche Entwürfe zu philosophischen und theologischen Schriften. ⭢Klose, neben Arlet wohl der wichtigste Gesprächspartner Lessings in Breslau, berichtet, dass ausgerechnet der hochgebildete, einschlägig bewanderte und regional interessierte Arletius den schlesischen Barockdichter Andreas Scultetus nicht kannte, dessen Gedichte herauszugeben Lessing schon in Breslau plante und Jahre später, 1771 in Braunschweig auch verwirklichte. Arlet jedenfalls, geschildert als vergleichsweise trockener Charakter und Hagestolz, soll noch im hohen Alter seine helle Freude bekundet haben, sobald die Rede von Lessing war. GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Brandes, Charlotte Wilhelmine Franziska geboren am: 21-05-1765 in: Breslau gestorben am: 13-06-1788 in: Hamburg Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Lessing war Taufpate der ihm zu Ehren meist »Minna« genannten Schauspielerin und Musikerin. Die Tochter des bekannten Schauspielerpaares ⭢ Johann Christian und ⭢ Est(h)er Charlotte Brandes erhielt eine gründliche, langjährige Ausbildung als Schauspielerin, Sängerin, Pianistin und Komponistin. Als Schauspielerkind stand sie früh auf der Bühne (ein erster Bühnenauftritt wird für Januar 1768 in Leipzig behauptet, bei der Koch’schen Gesellschaft im Lustspiel ihres Vaters: Der Schein trügt) und bereiste mit ihren Eltern Europa. Stets in elterlicher Obhut gab sie ab 1771 unter ⭢Abel Seyler in Weimar, Gotha, Altenburg, Leipzig und Dresden die Kinderrollen; bereits 1772 in Weimar soll ein erster Opern-Gesangsauftritt erfolgt sein. In Weimar erfuhr sie die Ausbildung als Klavierschülerin bei Friedrich Hönicke, zusätzlich durch Ernst Wilhelm Wolf und Anton Schweitzer. Von 1777-79 mit den Eltern bei der Schauspieltruppe von Pasquale Bondini in Dresden und Leipzig nahm sie Klavierstunden beim Bachschüler Christoph Transchel sowie Gesangsunterricht bei Antonio Mariottini und Gertrud Elisabeth Mara (1779 fortgesetzt in Berlin). Von 1779 bis April 1781 wirkte die Schauspielfamilie am Hoftheater Mannheim. Auch als Komponistin besaß Minna einen guten Ruf und schrieb verschiedene Klavier- sowie italienische und deutsche Singstücke. Bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Berlin 1782 nahm Minna nochmals Gesangsunterricht beim Kastraten Giovanni Carlo Concialini, bevor die Familie, über Schwedt, Stettin, Danzig, Königsberg, Tilsit und Mitau (dort mit etlichen Konzertauftritten) fahrend, von Herbst 1782 bis Frühjahr 1784 ein neues Engagement in Riga wahrnahm. Auch dort nahm Minna weitere Musiklektionen, beim Organisten Julius August Fehre und beim Musikdirektor Friedrich August Baumbach. 1784 kehrte sie nach Stationen in Mitau, Tilsit, Königsberg, Danzig, Stettin, Anklam, Greifswald, Stralsund (dort jeweils Konzert- bzw. Theaterauftritte) nach Hamburg zurück. Sie bekam eine Festanstellung am Hamburger Theater von März 1785 bis März 1786 (in dieser Zeit war ihr Vater einer der Direktoren) sowie anschließend und bis März 1788 unter der Direktion von Friedrich Ludwig Schröder. Brandes galt als gefeierte Darstellerin, ihr letzter Auftritt erfolgte laut Theaterzettel am 3. März 1788 als Leonore in [*** Verweis? ⭢] Dittersdorfs DOKTOR UND APOTHEKER. Früh, im Alter von 23 Jahren, starb Minna Brandes in Hamburg am 13. Juni 1788. Postum wurden ihre Lieder und Klavierstücke durch Friedrich Hönicke als »Musikalischer Nachlass« herausgegeben. Spätere Begegnungen mit Lessing sind nicht dokumentiert. *** ADB/NDB-Link
Brandes, Johann Christian geboren am: 15-11-1735 in: Stettin gestorben am: 10-11-1799 in: Berlin Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Schauspieler, Theaterunternehmer und Dramatiker, verheiratet mit ⭢Esther Charlotte Brandes. Der Sohn eines Kaufmanns musste die vorgesehene Gelehrtenlaufbahn durch den Bankrott seines Vaters aufgeben und sollte Kaufmann werden. Die Ablehnung dieses Plans sowie Reise- und Abenteuerlust ließen den Achtzehnjährigen nach Polen fliehen, wo er in prekären Verhältnissen lebte. Nach erneuter Flucht trat er in Hamburg in adlige Dienste, trat später aber in Lübeck in die Schauspieltruppe [*** ⭢] Schönemanns ein, die ihn 1757 erneut nach Hamburg führte. Spätere Engagements bei der ⭢ Schuchschen Gesellschaft führten in Breslau zur Bekanntschaft mit Lessing, dem er 1768 auch nach Hamburg folgte. Zahlreiche weitere Engagements führten Brandes, stets mit Frau und Tochter nach Berlin, Hamburg, München, Braunschweig, Weimar, Gotha, Dresden, Mannheim, Riga, Mitau und Königsberg. In Dresden scheiterte Ende der 70er Jahre sein Versuch, ein kurfürstlich-sächsisches Hoftheater zu etablieren, 1779 wechselte er zur Kompanie von ⭢Abel Seyler ans Hoftheater Mannheim, an Lessings alter Wirkungsstätte in Hamburg wirkte er als Theaterleiter von 1785-86. 1788 verließ er die Bühne, allerdings schreibt ⭢ Nicolai, er habe Brandes noch im Mai 1793 an der Seite von ⭢ Konrad Ekhoff (als Odoardo) in der Rolle des Kammerherrn Marinelli in einer Berliner Inszenierung der EMILIA GALOTTI gesehen. Schauspielerisch offenbar von minderer Begabung – »ein kalter, mittelmäßiger Schauspieler« schreibt August Förster (ADB), erlangte Brandes größere Aufmerksamkeit als Dramenautor, ein Schritt, zu dem ihm Lessing geraten haben soll: »Er gab sich viele Mühe, mich, durch seinen Unterricht zu einem beifallswürdigen Schauspieler zu bilden; weil er aber zu diesem Fache mehr guten Willen, als wahres Talent, bei mir bemerkte, so lenkte er mich zugleich auf die meinen Fähigkeiten mehr angemessene Laufbahn eines dramatischen Dichters, und gab mir dazu die richtigen Fingerzeige.« (*** S.) Zu Brandes Bekanntenkreis zählten neben Lessing Autoren wie ⭢Ramler und ⭢J. J. Engel; seine 1823 von Louis Benoit Picard auch ins Französische übersetzte Lebensbeschreibung gibt viele Aufschlüsse zur Geschichte des deutschen Theaters und des Schauspielerstands im 18. Jahrhundert. Die 1774 geschriebene ARIADNE AUF NAXOS gilt als einer der frühesten Versuche des Melodramas in Deutschland. Nach dem Rückzug von der Bühne lebte Brandes seinen schriftstellerischen Arbeiten in Hamburg, Stettin, Schwerinsburg und Berlin. GND ADB/NDB-Link
Brandes, geb. Koch, Esther Charlotte, geboren am: 30-11-1741 in: Rósinsk Wielky [Preußisch-Litauen] gestorben am: 13-05-1786 in: Hamburg Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Die Tochter eines preußischen Beamten, Frau von ⭢Johann Christian Brandes und Mutter dreier Kinder, erfreute sich als Schauspielerin und Sängerin größerer Bekanntheit im deutschen Sprachraum, sie stand u.a. als Medea, Orsina und Minna von Barnhelm auf der Bühne und wurde besonders für ihre Rolle der Ariadne in dem für sie geschriebenen Melodram ARIADNE AUF NAXOS gerühmt (nach ⭢H. W. v. Gerstenberg, mit Musik von Georg Benda). Brandes trug für diese Rolle ein historisches Kostüm, was eine Neuerung für die Bühne ihrer Zeit war. Ein Bildnis der Schauspielerin in diesem Kostüm stammt von ⭢Anton Graff. Sie führte das typische, unstete Wanderleben der Schauspieler im 18. Jahrhundert (vgl. zu den vielen Lebensstationen den Eintrag zu ihrem Mann). Lessing muss in der Breslauer Zeit enger mit den Brandes befreundet gewesen sein, wie mehrfache Erwähnungen in Brandes’ LEBENSGESCHICHTE (1799-1800) bekunden; durchaus ungewöhnlich ist es, dass der Gouvernementssekretär im Mai 1764 Gast bei der Hochzeit des Schauspielerpaars war und im Mai des folgenden Jahres auch Taufpate der Tochter wurde, ⭢Charlotte Wilhelmine Franziska Brandes, die Lessing zu Ehren später oft ›Minna‹ genannt wurde. Lessing soll die Schauspielkunst der Brandes befördert und vermittelnd auch in einem Eifersuchtsstreit mit der Schauspielkollegin ⭢ Therese Meinzner gewirkt haben. Nach dem Ende seiner Zeit als Hamburger Dramaturg empfahl er sie erfolgreich an die dortige Bühne. Mit ihrem Mann war sie von 1764-68 Mitglied der Schuchschen Gesellschaft und 1768-69 bei Lessing in Hamburg, nach dem Scheitern des Nationaltheaterprojekts wirkten beide 1769 bei ⭢Seyler, der in Hannover eine neue Gesellschaft zusammenstellte. 1779 spielten beide erneut bei Seyler in Mannheim am neu errichteten Hoftheater. Die auch zuvor schon häufigen Spannungen Esther Charlottes mit der Frau des Prinzipals, ⭢Friederike Sophie Seyler, trieben das Ehepaar ein weiteres Mal nach Hamburg. »Wir haben uns übrigens«, so August Förster 1876, »die Darstellungsweise der Frau B. französisch-manierirt und outrirt vorzustellen.« GND
Garve, Christian geboren am: 07-01-1742 in: Breslau gestorben am: 01-12-1798 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: nicht bekannt Beschreibung: Philosoph, Schriftsteller und Übersetzer aus Breslau, Freimaurer und Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Garve studierte in Frankfurt (Oder) und Halle (Saale) Philosophie und Mathematik, kam 1766 als Magister nach Leipzig, wurde von ⭢Gellert aufgenommen und schloss Freundschaften u.a. mit ⭢Christian Felix Weiße und dem Schweizer Theologen ⭢ Georg Joachim Zollikofer. Von 1770–72 war er außerordentlicher Professor für Mathematik und Logik in Leipzig. Seit 1772 zurück in Breslau, lehnte er Angebote, in den Schuldienst einzutreten, ab und lebte ganz seinen Studien, gelegentlich auch als Buchhändler *** prüfen!. Garve wurde in eine Handwerkerfamilie geboren; die längste Zeit seines Lebens hielt er sich bei seiner Mutter in Breslau auf, die den zu Krankheit und Hypochondrien neigenden Sohn umsorgte und auch an seinem Schaffen und am Austausch mit seinen wissenschaftlichen Freunden Anteil nahm. Mit Christian Felix Weiße, dem Aufklärer, Kinderfreund und Mitbegründer des deutschen Singspiels, verband ihn eine langjährige Freundschaft und ein umfangreicher Briefwechsel. Garve übersetzte zahlreiche Schriften, darunter Ciceros DE OFFICIIS oder Adam Smith’s DER WOHLSTAND DER NATIONEN. Er schrieb psychologische, moralphilosophische und ökonomische Schriften sowie zahlreiche Rezensionen für die NEUE BIBLIOTHEK DER SCHÖNEN WISSENSCHAFTEN UND DER FREYEN KÜNSTE. Stark von der englischen und schottischen Aufklärung geprägt, hat er seine empiristisch geprägte Philosophie, darin Lessing verwandt, nie als System formuliert (ein brieflicher Austausch mit Lessing ist nicht belegt). Garves Themen gehören vor allem der Moralphilosophie zu, sein Werk steht im Zeichen des Primats der praktischen Vernunft. Garve, der sich als »Wetzstein« für andere Geister bezeichnet, vielfach aber und nicht immer ohne Dünkel, als »Popularphilosoph« gilt, fand mit seinen Schriften Anerkennung und Geltung bei den Zeitgenossen. Seine bemerkenswerte Rezension Lessings LAOKOON bezeugt poetologische und literarhistorische Kenntnis. Trotz seiner Breslauer Bindungen ist weder eine Begegnung noch der Briefaustausch mit Lessing bekannt. GND ADB/NDB-Link
Garve, geb. Förster, Anna Katharina geboren am: 30-11-1715 in: Breslau gestorben am: 30-11-1791 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: Bekannte Beschreibung: Die Mutter des Philosophen ⭢Christian Grave schloss während Lessings Zeit in Breslau 1760-64, persönliche Bekanntschaft mit dem als Gouvernementssekretär für Preußen tätigen Dichter. Nach dem Tod ihres Mannes führte A.K. Garve dessen Färbereibetrieb fort und verkaufte die Färberei erst 1778, im Alter von 62 Jahren. Sie unterstützte ihren Sohn durch finanzielle Zuwendungen, las und besprach mit Garve aber auch dessen Schriften. »G.s äußerer Lebensgang«, so Kurt Wölfel, sei »gekennzeichnet durch die Bindung an die Mutter. Er lebte mit ihr, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, bis zu ihrem späten Lebensende zusammen; bei ihr fand der kränkliche, schon als junger Mensch hypochondrische Gelehrte Bewahrung vor den ihm widrigen Bedingungen des alltäglichen Lebens; sie nahm sogar an seinem Schaffen und am Verkehr mit seinen wissenschaftlichen Freunden regen Anteil.« Von Garves Mutter stammen kurze persönliche Berichte und wertvolle Anekdoten über Lessings Leben in Breslau sowie zur MINNA VON BARNHELM, die Daunicht (s. Bibliographie, S. 175-77) überliefert.
Kleist, Anton David geboren am: 30-11-1744 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1804 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Neffe ⭢Ewald von Kleists, Sohn von Anton Heinrich und Margarethe Ludovica Loysa von Kleist. 1759-1762 Zögling der Kadettenschule in Berlin, dann preußischer Soldat, 1762 Begegnung mit Lessing in Breslau, später Oberstleutnant in russischen Diensten. Wolfgang Albrecht datiert die Begegnung auf Ende Januar 1762: Offenbar kam A.D. Kleist mit einem Brief Ramlers sowie der »1638 erschienen Erstausgabe der ersten beiden 100 TEUTSCHER REIMEN-SPRÜCHEN SALOMONS VON GOLAW (d.i. Logau […])« (B XI/1, 849) im Gepäck aus Potsdam oder Berlin nach Breslau. Lessing hatte die Logau-Ausgabe aus der Breslauer Magdalenen Bibliothek ausgeliehen. Kleists Gepäck ist unterwegs indes verloren gegangen. »Brief und Logau«, schreibt Lessing am 30. Mai an ⭢Ramler, »sind mit dem Tornister des jungen Kleist unter Weges verloren gegangen. Ein ärgerlicher Zufall! Sie wissen, daß der Logau nicht mein eigen war, sondern einer hiesigen Bibliothek (zu St. Magdalena) zugehörte. Ich verzweifle durchaus, ihr diesen Verlust ersetzen zu können; allem Ansehen nach war es noch das einzige Exemplar in der Welt. – […] ich habe mich wohl gehütet, den jungen Kleist meine Empfindlichkeit darüber merken zu lassen. Denn er bat gar zu sehr um Verzeihung; und einmal ist er doch unsers Kleists Neveu. Was wollte ich dem nicht vergeben? Ihn seinen eignen dabei erlittenen Schaden einigermaßen vergessen zu machen, habe ich ihm in der Geschwindigkeit die nötigsten Bedürfnisse wieder anschaffen lassen. Ich habe ihm auch offne Kasse bei mir angeboten, und es wird nur auf ihn ankommen, wie sehr er sich noch weiter dieses Anerbieten zu Nutze machen will.« Erst im Jahr 1780 konnte Lessing den Verlust durch ein anderes Exemplar des Logau ersetzen (s. Brief an ⭢Karl Gotthelf Lessing, 25. Feb. 1780).
Klose, Samuel Benjamin geboren am: 27-04-1730 in: Breslau gestorben am: 18-09-1798 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Eingeschult im Maria-Magdalenen-Gymnasium, studierte Klose 1750-53 in Halle und Frankfurt/O. Theologie. Seit Mai 1762 am Gymnasium zu St. Maria-Magdalena, wurde er im November 1763 Rektor der Vorbereitungsschule »Zum Heiligen Geist« in Breslau-Neustadt. »Die bescheidene Stellung [hatte er], alle Berufungen ablehnend, fünfunddreißig Jahre lang inne«, wie Heinrich Schneider schreibt. Klose war zudem als Historiker, Publizist und Kritiker sowie als Bibliothekar von St. Bernhardin tätig und während der Breslauer Jahre Lessings Freund und häufiger Gesprächspartner des Dichters. Klose war ein echter Gelehrter, zu seinen Werken zählen vor allem historische Studien; als »er 1798 starb, hinterließ er zusätzlich zu mehreren Büchern zweihundertachtundvierzig sauber geschriebene Foliobände mit von ihm gesammelten Material zu einer Geschichte Schlesiens.« Eines seiner wichtigsten, zu Lebzeiten anonym erschienenen, Werke ist ›Von Breslau. Documentirte Geschichte und Beschreibung. In Briefen‹ (Breslau 1781-83). Man verdankt Klose wertvolle Hinweise auf Lessings Studien jener Zeit, zur Kirchengeschichte, zu Spinoza, zum LAOKOON usw., seine 1793 im ersten Band von ⭢Karl Gotthelf Lessings Biographie erschienenen Erinnerungen sind das aufschlussreichste Dokument zu Lessings Breslauer Aufenthalt.[i] Klose führte Lessing durch die dortigen Bibliotheken, mit ihm besuchte er Bibliotheken, Klöster sowie zahlreiche bau- und kunstgeschichtliche Zeugnisse. [i] Seinen Bericht darüber schreibt er nach der Aufforderung von Karl Gotthelf Lessing, der offenbar auch aus dem vertrauten Munde des Bruders wenig über dessen Breslauer Epoche erfahren hatte. GND Wikipedia Bibl. Angabe sonst. Link Quelle: Schneider, Heinrich: Das Buch Lessing 1961, S.85.
Lang[n]er, Carl August geboren am: 30-11-1649 in: nicht bekannt gestorben am: 30-11-1771 in: nicht bekannt Verhältnis zu Lessing: Bekannter Beschreibung: Münzrendant in Breslau. Der Münzschreiber oder -rendant beschränkte die Machtbefugnisse des Münzmeisters. Langner hatte mit Lessing persönlichen Umgang; wie ⭢Klose in einem Brief an ⭢Karl Gotthelf Lessing berichtet, zählte er zu den Personen, die Lessing in Breslau unterstützte. Aus einer Antwort Langners vom 28. Juli 1765 auf einen nicht erhaltenen Brief Lessings geht hervor, dass dieser sich für eine Beförderung Langners in Berlin eingesetzt hat. In einem späteren Brief Kloses an Lessing vom 18.4.1774 berichtet dieser vom Ableben des Münzrendanten. In welchem Verhältnis die beiden aber zueinander standen, ist nicht mehr zu ermitteln.
Lessing, Karl Gotthelf geboren am: 10-07-1740 in: Kamenz gestorben am: 17-02-1812 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: verwandt Beschreibung: Der viertjüngste Bruder, erste Biograph und Nachlassverwalter Lessings übte den Beruf eines Münzdirektors in Breslau aus. Durch die Heirat mit Marie Friederike Voß, Tochter von ⭢Christian Friedrich Voß, wurde er Mitbesitzer der VOSSISCHEN ZEITUNG. Karl Gotthelf besuchte die Kamenzer Lateinschule und die Fürstenschule St. Afra in Meißen. Im Anschluss studierte er zunächst Medizin in Leipzig, wechselte aber 1763 zur Jura und widmete sich nebenher seinem literarischen Interesse, vor allem als Verfasser von Komödien. 1764 verließ er Leipzig ohne Studienabschluss in prekärer finanzieller Lage. 1765 zog er zu Lessing nach Berlin, war Mitglied des sogenannten ›Montagsclubs‹ und hatte dort u.a. Kontakt zu ⭢Mendelssohn, ⭢Ramler, ⭢Nicolai, ⭢Christian Friedrich Voß und anderen. Nachdem Lessing Berlin 1767 verließ, versuchte der jüngere Bruder seinen Lebensunterhalt durch Lustspiele zu verdienen, die er für die ⭢Döbbelinsche Truppe redigierte, er schrieb Kritiken und Gelegenheitsgedichte für die VOSSISCHE ZEITUNG und übersetzte aus dem Englischen und Französischen. Von seinem Bruder ebenso gewarnt wie ermutigt, schrieb er zwischen 1768 und 1780 insgesamt sieben Komödien, die mehrfach aufgeführt wurden, ihm aber wenig Erfolg einbrachten und von Lessing schonungslos kritisiert wurden. 1770 wurde er dank der Vermittlung Mendelssohns Assistent des Berliner Generalmünzdirektors, ab 1779 Königlicher Münzdirektor in Breslau. 1805 wurde der Münzbetrieb jedoch aufgrund nachlassender Gewinne und Unterbilanzen eingestellt. Nach Lessings Tod gab er dessen Sämtliche Schriften heraus und verfasste die erste, auch heute noch lesbare Biographie Lessings. Nach einem längeren Rechtsverfahren erhielt er den in Wolfenbüttel versiegelten handschriftlichen Nachlass des Bruders und konnte einige seiner bis dahin ungedruckten Texte veröffentlichen. Auch wenn die Herausgabe heutigen Editionsstandards nicht genügt, hat sie doch zahlreiche Lessingtexte überhaupt gesichert. GND ADB/NDB-Link Wikipedia
Meinzner , Therese geboren am: 30-11-1649 in: gestorben am: 30-11-1649 in: Beschreibung: ⭢ siehe Schultz, Therese
Morgenbesser, Michael geboren am: 24-07-1714 in: Breslau gestorben am: 30-06-1782 in: Breslau Verhältnis zu Lessing: Bekannter – Beschreibung: Arzt, Assessor und Dekan des Medizinischen Collegiums in Breslau. Seine Schulbildung erhielt Morgenbesser im Gymnasium St. Maria Magdalena und studierte anschließend Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Leipzig. Als Schüler ⭢Gottscheds wurde er Mitglied der Deutschen Gesellschaft. Er lernte als ein Vorbild den Hallenser Arzt Friedrich Hoffmann kennen und begab sich nach seiner Promotion 1738 auf Studienreisen nach Wittenberg, Helmstedt, Hannover, Marburg, Leiden und Paris. Morgenbesser beschäftigte sich mit Anatomie sowie Osteologie und arbeitete bis zum Ende des Zweiten Schlesischen Krieges als Garnisonarzt. 1747 wurde er Oberphysikus von Breslau, 1754 Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina. Zu seinen Verdiensten gehören der Bau eines anatomischen Theaters in Breslau und Arbeiten zur Schutzimpfung. Morgenbesser war Lessings behandelnder Arzt in Breslau, dessen Dienste er öfter in Anspruch nehmen musste, auch wenn er für Lessing mindestens zeitweilig ein offenbar schwer erträglicher Schwätzer war, zumal ⭢Gottsched offenbar der Abgott des Arztes war. GND Wikipedia
Schimann, geb. Bayer, Theresia geboren am: 24-08-1748 in: Linz (Donau) gestorben am: 19-09-1790 in: Prag Verhältnis zu Lessing: befreundet Beschreibung: Österreichische Schauspielerin. Sie war eine geborene Bayer – nach anderen Quellen Peyer oder Pahr – und wurde angeblich als Kind von einem gewissen Schwerdberger, Prinzipal einer Schauspieltruppe, entführt und auf die Bühne gezwungen. Während der Prinzipal sich nicht weiter um die Erziehung der auf diese Weise erworbenen Mitglieder der Truppe gekümmert haben soll, soll das ebenfalls zur Truppe gehörige Ehepaar Vogt sich des Mädchens angenommen und für seine Ausbildung gesorgt haben. Später gründete Vogt eine eigene Schauspielgesellschaft, deren Mitglied Theresia wurde. 1764 lernte sie in Breslau Lessing kennen und wurde seine Schülerin. Mit 17 Jahren stand sie erfolgreich als Lucia Woodwill und Miß Sarah Sampson auf der Bühne. Sie habe sich, heißt es im THEATERKALENDER AUF DAS JAHR 1794, »besonders in komischen Müttern einen Namen erworben«. Später wurde sie Mitglied der ⭢Döbbelin’schen Gesellschaft in Berlin, musste Berlin aber krankheitshalber verlassen, kehrte nach Linz zurück und lernte dort ihren späteren Mann Joseph Gottfried Schimann kennen. Wenig später wechselte sie zur Schopfschen Gesellschaft über, verließ ihren Ehemann und wurde die Lebensgefährtin Schopfs. Beide übernahmen 1774 die Leitung des Innsbrucker Theaters, teilten später aber das Los des schauspielerischen Wanderlebens (1775/76 etwa in Augsburg, Regensburg und Prag). Mit 42 Jahren starb Schimann an den Folgen eines Schlaganfalls. Quelle: THEATERKALENDER AUF DAS JAHR 1794, Gotha: Carl Wilhelm Ettinger 1797; Hg. Heinrich August Ottokar Reichard: »Schimann, Theresia, geb. Bayer zu Linz 1748, starb zu Prag 1790. Sie war eine Schülerin des berühmten Lessing und betrat schon die Bühne in ihrem 17ten Jahre als Miß Sara Sampson, die sie ganz nach seiner Anleitung spielte mit ausgezeichnetem Beyfalle. Nachdem hat sie sich besonders in komischen Müttern einen Namen erworben. Ihre Silhouette ist von Nilson in Augsburg gestochen worden; von eben demselben ist sie auch aber schlecht genug, als Ophelia in der Scene mit dem Hamlet: Sey keusch etc. dargestellt«. Bibl. Angabe Quelle: Baur, Eva Gesine: Emanuel Schikaneder. Der Mann für Mozart. München 2012, S. 44 – 56.